access_time veröffentlicht 13.11.2019

Ein Kulturwandel, der Zeit braucht

Jana Siroka, Oberärztin und Präsidentin VSAO Zürich

Ein Kulturwandel, der Zeit braucht

13.11.2019

Weshalb Teilzeitangebote auch in der Medizin in Zukunft zum Alltag gehören werden.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Am 19. November organisiert der VSAO Zürich ein «Teilzeit Symposium», bei dem die Vor- und Nachteile von Teilzeit im Fokus steht.
  • Im Rahmen des Projekts «Förderung Teilzeit» führte der VSAO bzw. einzelne Sektionen des Verbandes verschiedene Umfragen zum Thema Teilzeitarbeit bei Assistenz- und OberärztInnen durch. Einige Beispiele finden Sie unten unter «Weiterführenden Links».

 

Interview mit Jana Siroka, Oberärztin und Präsidentin VSAO Zürich

Sie führen am 19. November in Zürich ein Symposium durch, bei dem die Vor- und Nachteile von Teilzeitstellen im Klinikbereich thematisiert werden. Wen möchten Sie mit dieser Veranstaltung hauptsächlich ansprechen?

Wir thematisieren hauptsächlich die Vorteile, lassen Nachteile aber nicht unbeachtet.
Das Zielpublikum dieses Events sind unsere Mitglieder, von Assistenzärzten bis Oberärztinnen. Wir haben auch die Medizinstudierenden der UZH. Selbstverständlich thematisieren wir die Teilzeitarbeit ausserdem an jedem Gespräch mit Chefärztinnen und Personalverantwortlichen von Kliniken.

Weshalb bauen viele Kliniken ihr Teilzeitstellen-Angebot nur zögerlich aus?

Die Implementierung neuer Arbeitszeitmodelle entspricht einem Kulturwandel und ein solcher braucht Zeit. Je mehr Personen sich jedoch im Alltag davon überzeugen können, dass ein Spitalbetrieb trotz neuer Arbeitsmodelle reibungslos funktioniert, um so grösser wird die Akzeptanz. Zudem steigern zeitgemässe Arbeitszeitmodelle die Attraktivität eines Arbeitgebers deutlich - in Zeiten des Fachkräftemangels ein nicht zu unterschätzender Standortvorteil. Die Erfahrungen zeigen übrigens auch, dass Ärztinnen und Ärzte, die von einem Teilzeitangebot profitieren konnten, diesen Arbeitgebern in ihrer weiteren Laufbahn treu bleiben.

Eignen sich Teilzeitmodelle nicht bloss für ausgewählte Bereiche wie beispielsweise die Notfallstationen oder Anästhesie?

Sicher ist die Implementierung in den erwähnten Bereichen einfacher. Aber es gibt zwischenzeitlich genügend gute Beispiele, die zeigen, dass Teilzeitmodelle auch in Disziplinen wie der Chirurgie funktionieren. Lange Zeit schien dies ein Ding des Unmöglichen. Kürzlich berichtete an einer Weiterbildungsveranstaltung ein Chirurg einer grossen Klinik in Deutschland über seine mehrheitlich positiven Erfahrungen mit neu geschaffenen Teilzeitmodellen, welche diese Klinik implementierte. Der Hauptgrund für diesen Strukturwandel war nicht etwa Frauenförderung, sondern der Mangel an Assistentinnen und Assistenten. Matchentscheidend ist der Wille der Klinikleitung!

Werden Teilzeitstellen in der Medizin nicht vor allem von Frauen gewünscht?

Nein. Eine Umfrage des VSAO zeigte, dass 80% der Ärztinnen und Ärzte den Wunsch hegen, Teilzeit arbeiten zu können. Die Geschlechterverteilung ist in Bezug auf das Interesse an Teilzeitlösungen ausgeglichen. Leider jedoch sind es schlussendlich doch mehrheitlich Ärztinnen, die Teilzeit arbeiten. Männer, welche Teilzeit arbeiten, müssen noch stärker gegen Vorurteile kämpfen. Aber auch Männer wollen für ihre Kinder sorgen.  Oder ein Hobby neben dem Klinikalltag zu haben.... ein individuell gestaltetes Leben ist für Ärztinnen und Ärzten kein Tabu mehr. Heutzutage sollte sich niemand mehr für den Wunsch, Teilzeit arbeiten zu wollen, rechtfertigen müssen.

 

Weiterführende Links:

Jana Siroka

Oberärztin und Präsidentin VSAO Zürich

Bloggen Sie mit!

Wollen Sie auch einen Blogbeitrag publizieren? Dann schreiben Sie uns!

Mail an Redaktion

Verpassen Sie keinen Artikel!

close