access_time veröffentlicht 10.02.2020

«In der Schweiz sind wir quasi Pioniere»

Nadja Pecinska, Managing Editorin Primary and Hospital Care, EMH Verlag, Muttenz

«In der Schweiz sind wir quasi Pioniere»

10.02.2020

Seit Anfang Jahr produziert der Schweizerische Ärzteverlag EMH den Podcast «EMH Journal Club» – einer der ersten Gesundheitspodcasts hierzulande. Dr. med. Nadja Pecinska, Managing Editorin von Primary and Hospital Care, erklärt, wie sie das Projekt von A bis Z auf die Beine gestellt hat.

 

Das Wichtigste in Kürze

  • Der erste Podcast «EMH Journal Club» ist am 8. Januar 2020 erschienen.
  • Zu finden sind alle Podcasts online oder in Ihrer Podcast-App unter «EMH Journal Club». Alle zwei Wochen wird ein neuer Podcast veröffentlicht.
  • Im «EMH Journal Club» werden aktuelle Studien aus internationalen Journals zusammengefasst und kommentiert. Der Podcast basiert auf die Beiträge der Rubrik «Kurz und bündig», aus der Zeitschrift Swiss Medical Forum, verfasst von Professor Dr. Reto Krapf.

 

Interview geführt von Julia Rippstein


Nadja Pecinska, wie ist die Idee zu diesem Podcast entstanden?

Ich höre selbst viele Podcasts, da ich häufig mit den ÖV unterwegs bin. Für mich ist es ein angenehmer und praktischer Weg, informiert zu bleiben. Ich habe mir gedacht: Wieso können wir, der EMH Verlag, nicht auch einen eigenen Podcast produzieren? Die Idee habe ich der Geschäftsleitung vorgestellt – praktisch gleichzeitig wie Professor Dr. Reto Krapf, der Autor der Rubrik «Kurz und bündig» vom Swiss Medical Forum: Ein schöner Zufall! Unsere Idee kam gut an und wir konnten mit dem «EMH Journal Club» loslegen. Ich gehe von der Rubrik «Kurz und bündig» aus und schreibe die Texte dann jeweils so um, damit sie «hörbar» werden.


Podcasts sind momentan richtig beliebt – fast jedes Medium produziert zurzeit einen Podcast. Wie sieht es in der wissenschaftlichen Presse aus?

Im englischsprachigen Raum hat fast jedes Journal seinen eigenen Podcast, oder sogar mehrere. Im deutschsprachigen Raum sieht das ein wenig anders aus. Meines Wissens sind wir einer der ersten Medizinverlage in der Schweiz, die einen Podcast produzieren. Wir stecken da noch in den Kinderschuhen! Aber dieses Gefühl – Pioniere zu sein – ist schön.


Wie sind Sie vorgegangen, um das Projekt zu verwirklichen? Was waren die Herausforderungen?

Ich habe zunächst viel recherchiert, einen Workshop besucht und dann Leute zusammengesucht. Beispielsweise habe ich einen Musiker beauftragt, Martin Gantenbein, den Jingle zu komponieren.  Ich wollte auch mehrere Stimmen im Podcast haben, damit es nicht zu eintönig und monoton klingt, darum habe ich den Sprecher und Schauspieler Christian Heller engagiert, jeweils die Studien-Facts zu sprechen. Reto Krapf kommentiert dann jeweils die Studien. Ich selber moderiere den Podcast. Auch wenn ich dank eines Regie- und Schnittkurses an einer Filmschule in London schon ein Basiswissen hatte, musste ich noch viel lernen: Wie kommt der Podcast auf die verschiedenen Plattformen und Apps? Mit welcher Technik soll man aufnehmen? Mit welchem Programm schneiden? Alles in allem habe ich sehr viel recherchiert und mich weitergebildet. Der Aufwand hat sich aber schlussendlich definitiv gelohnt.


Der Podcast fasst aktuelle Studien zusammen. Wie macht man einen schriftlichen Wissenschaftstext attraktiv für Hörerinnen und Hörer?

Es ist gar nicht so einfach. Die Texte aus dem «Kurz und bündig» erhalte ich, wie sie dann im Swiss Medical Forum erscheinen. Ich muss sie also wie schon erwähnt umschreiben, damit sie zum Zuhören angenehm werden. Im Podcast sollte man möglichst frei und natürlich sprechen. Die verschiedenen Stimmen sollen Abwechslung bringen. Wenn ich merke, dass eine Studie sich nicht zum Hören eignet, weil sie zum Beispiel viel zu kompliziert ist oder eine Menge Zahlen enthält, lasse ich sie weg. Die jeweiligen Literaturangaben werden nicht zitiert, sondern können online abgerufen werden.


Welche erste Bilanz ziehen Sie einen Monat nach der Lancierung des Podcast?

Auch wenn das Produkt noch verbessert werden kann, bin ich schon sehr zufrieden mit dem Resultat. Ich habe viel positives Feedback bekommen. Viele Ärztinnen und Ärzte oder sonst Interessierte sind vom Konzept begeistert, weil sie so Zeit gewinnen oder sie besser nutzen können, zum Beispiel im Auto oder im Zug auf dem Weg zur Arbeit.


Möchten Sie nur die Ärzteschaft erreichen? Könnten Sie sich vorstellen, ein breiteres Publikum anzusprechen?

Durch die Inserate in allen EMH-Zeitschriften wurden direkt Ärztinnen und Ärzte angesprochen – sie bilden unser Hauptpublikum. Mein Wunsch für die Zukunft ist jedoch, weitere Podcasts über andere Themen zu produzieren zum Beispiel über praxisrelevante oder gesundheitspolitische Themen, die nicht nur die Ärzteschaft interessieren könnten. Das können wir aber erst in Angriff nehmen, wenn der jetzige Podcast sich weiter positiv entwickelt und wir genug Hörerinnen und Hörer erreichen. Ein anderes Ziel ist, auch etwas für die Westschweiz zu produzieren, indem wir eine französische Version auf die Beine stellen. Ich hoffe sehr, dass wir das bald realisieren können.  

 


Weiterführende Links:

 

Nadja Pecinska

Managing Editorin Primary and Hospital Care, EMH Verlag, Muttenz

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