access_time veröffentlicht 18.12.2019

«Vor 50 Jahren galt Leukämie noch als Todesurteil»

Alexandra Weber, Leiterin Kommunikation Kinderkrebs Schweiz

«Vor 50 Jahren galt Leukämie noch als Todesurteil»

18.12.2019

Krebs bei Kindern ist selten, aber aggressiv. Er kann zu ernsthaften, langfristigen Folgen führen und macht besondere Therapien erforderlich. Jüngst lancierte der Dachverband Kinderkrebs Schweiz eine Sensibilisierungskampagne.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Dachverband Kinderkrebs Schweiz wurde 2015 ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Situation der an Krebs erkrankten Kinder und Jugendlichen zu verbessern. Eine seiner Missionen ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Herausforderungen in diesem Bereich und die Unterstützung der Forschungsarbeit. Im November wurde eine Kampagne zur klinischen Forschung gestartet.
  • Die klinische Kinderkrebsforschung wird zu 40 Prozent vom Bund finanziert – der Rest aus privaten Spenden. Daher ist sie stark auf die Unterstützung durch Stiftungen, Verbände und Privatpersonen angewiesen.
  • Die kleinen Patienten werden in den neun auf pädiatrische Onkologie spezialisierten Zentren behandelt (Unispitäler Basel, Bern, Lausanne, Genf, Zürich sowie in St. Gallen, Luzern, Aarau und Bellinzona).
  • In der Schweiz erkranken etwa 300 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren an Krebs. Knapp die Hälfte davon sind Kinder unter vier Jahren. Leukämien sind mit 33 Prozent am häufigsten vertreten, gefolgt von Tumoren im Gehirn und im Rückenmark (20 Prozent).

 

Interview mit Alexandra Weber, Leiterin Kommunikation Kinderkrebs Schweiz

Warum haben Sie eine Sensibilisierungskampagne für Kinderkrebs gestartet?

Dank medizinischer Fortschritte können heute vier von fünf Kindern geheilt werden. Dennoch bleibt Krebs nach Unfällen die häufigste Todesursache. Nahezu jede Woche verstirbt in der Schweiz ein Kind an Krebs. Kinderkrebs Schweiz setzt sich aktiv dafür ein, die Heilungschancen und die langfristige Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Im Rahmen dieser Mission geht es vor allem darum, die Bevölkerung über nationale Kampagnen für wichtige Themen im Bereich Kinderkrebs zu sensibilisieren. Die Krankheit ist in der breiten Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Eine weitere Mission ist die Akquise von Finanzmitteln zur Realisierung unserer Vorhaben und zur finanziellen Unterstützung unserer Mitgliedsorganisationen. Da die klinische Forschung in diesem Bereich nur zu 40 Prozent finanziert wird, ist sie vor allem auf die Unterstützung durch Stiftungen und Privatspenden angewiesen.

Warum kommt der klinischen Forschung eine so hohe Bedeutung zu?

Die klinische Forschung rettet Kinderleben. Im Gegensatz zur Grundlagenforschung ist sie auf den Menschen konzentriert. Dank klinischer Studien profitieren einerseits die Patienten von optimierten Behandlungen. Andererseits werden neue medizinische Erkenntnisse gewonnen, die helfen, die verschiedenen Krebsarten besser zu verstehen und modernere Therapien zu entwickeln. Die klinische Forschung will die Überlebenschancen der jungen Krebspatienten verbessern und die Spätfolgen der Krankheit reduzieren. Kinderkrebs ist eine seltene Erkrankung – daher ist der Erfolg der letzten Jahrzehnte ausschliesslich der engen Kooperation zwischen der pädiatrischen Onkologie und der im Rahmen internationaler klinischer Studien betriebenen Forschung zu verdanken. Durch die Teilnahme an diesen Forschungsprojekten profitieren die Kinder in der Schweiz von den weltweit innovativsten Krebsbehandlungen.

Wo steht die Schweiz in Sachen Kinderkrebsforschung im internationalen Vergleich?

Die Schweiz ist sehr gut aufgestellt. Wenn vor 50 Jahren bei einem Kind Leukämie diagnostiziert wurde, galt dies als Todesurteil. Dank der klinischen Forschung können heute ca. 80 Prozent der Kinder geheilt werden. Das ist ein enormer Fortschritt! Um diese Heilungsquote noch weiter zu optimieren benötigt die Schweizer Kinderkrebsforschung jedoch finanzielle Unterstützung. Ein dringendes Erfordernis, damit unser Land weiterhin an vorderster Front arbeiten und den jungen Patienten auch inskünftig weltweit beste Behandlungsmethoden bieten kann.

Wieviel erhoffen Sie sammeln zu können?

Wir haben zahlenmässig kein festes Ziel. Wir wollen vor allem über Kinderkrebs informieren und damit so viele Menschen wie möglich erreichen. In unseren Sensibilisierungskampagnen machen wir aber deutlich, dass die erkrankten Kinder dringend auf Unterstützung angewiesen sind. Darüber hinaus sind wir natürlich für jede Spende froh, die an den Dachverband geht, weil wir damit unseren Zielen Schritt für Schritt näherkommen.

 

Weiterführende Links:

 

 

Alexandra Weber

Leiterin Kommunikation Kinderkrebs Schweiz

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