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Briefe / Mitteilungen

Offener Brief an Heiner Lachenmeier

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2018.17391
Veröffentlichung: 05.12.2018
Schweiz Ärzteztg. 2018;99(49):1740

Dr. med. Laurenz Ehrenzeller, Binningen

Offener Brief an Heiner Lachenmeier

Lieber Heiner

An dieser Stelle will ich Dir nochmals dafür danken, dass Du Dich seinerzeit als FMPP-­Präsident bei der Einführung des TARMED für die Psychiater und deren Tarif, insbesondere für die wichtige Vor- und Nachbereitungszeit, in allen politischen Gremien eingesetzt hast. Dadurch hast Du eine Präzisierung des Tarifs erreicht und eine Anerkennung unserer geistigen Arbeit. Eine Einkommensverminderung hast Du damals mit viel Einsatz verhindert.

Heute sind die Zeiten anders – leider! Aufgrund des bundesrätlichen Eingriffs in den Tarif ist eine Reduktion von 3,7% gegeben. Auf Deutsch eine Umsatzreduktion von fast 4%. Dazu kommen die gestiegenen Betriebskosten von v.a. Elektronik und Daten­management, Versicherungen, allgemeinen Lebenskosten über die Jahre, was die Einkommenseinbusse noch einiges grösser macht.

Vor 25 Jahren, vor TARMED, war der Tarif für eine Stunde Psychotherapie in Baselland 189 Franken. Heute – 25 Jahre später – ist er 188 Franken. Dazu kann sich jeder selbst Gedanken machen, wenn er es denn wagt.

Psychotherapie kann viele sekundäre Kosten vermeiden, das ist banal und altbekannt. Sei es im Gesundheitswesen, sei es in der Gesellschaft.

An den Grundvoraussetzungen hat sich in dieser Zeit nichts geändert. Die Psychiatrie ist immer noch ein Einkommens-Schlusslicht bei den Medizinerberufen. Im Gegensatz zu den Operateuren können wir vom technologischen Fortschritt nicht profitieren und 3× so schnell sprechen oder zuhören. Die Schere ist auch hier weiter aufgegangen.

Das jüngste Beispiel zeigt, wie wir uns rechtzeitig wehren und engagieren müssen, so wie Du es damals getan hast, Heiner. Wir dürfen uns auch nicht wundern, wenn niemand mehr Psychiater in der Praxis werden will – warum soll man unternehmerisches Risiko ohne unternehmerische Chancen ergreifen?

Mit nochmaligem Dank Dir, ganz herzlich

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