Briefe / Mitteilungen

Replik

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.17679
Veröffentlichung: 13.03.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(11):384

Dr. med. Nathalie Koch, Lausanne

Replik

Herr Dr. Fouradoulas nennt in seinem Beitrag interessante Ergänzungen zum Artikel «Die Bedeutung des Flexner Reports», deren Erläuterung den Rahmen des Artikels gesprengt hätten.

Verschiedene Interessengruppen waren an der wissenschaftlichen Reorientierung des Medizinstudiums beteiligt. Daher hat der ­Medizinhistoriker K. Ludmerer den Prozess als gesellschaftliche Revolution bezeichnet und den Flexner-Report als Katalysator und typisches Beispiel von muckraking (Sensa­tionsmacherei) der amerikanischen Politik anfangs des 20. Jahrhunderts. Andererseits bezeichnete K. Ludmerer den weniger reisserischen Teil des Flexner-Berichts als «the most notable theoretical discussion of medical education ever written». [1]

Die Osler-Flexner-Debatte wäre an sich einen Artikel wert. William Osler hatte das Modell der Medical School der John Hopkins Universität, welches der Flexner Report propagierte, massgeblich mitgeprägt. Osler vertrat seit Jahren die Idee eines fixen Lohnes für Professoren, um die Vernachlässigung ihrer Lehr- und Forschungsplichten zugunsten der privaten Praxis zu verhindern. [2] Nachdem Osler John Hopkins verlassen hatte, empfahl Flexner in einem anderen vertraulichen Bericht für die Rockefeller Stiftung die Einführung ­eines neuen Lohnsystems an der John ­Hopkins Universität. Osler empfand diesen Bericht als harsche Kritik an seinen früheren Kollegen und ihm selbst und wollte die vorgeschlagenen Massnahmen verhindern – unter anderem warnte er vor dem Risiko, dass ­Forscher den Kontakt zur Klinik verlieren könnten.

Geschichtliche Ereignisse können unterschiedlich interpretiert werden. Es freut mich, wenn der Artikel Gedanken zu gesellschaftspolitischen Fragen anregt.

1 Ludmerer KM. Abraham Flexner and Medical Education. Perspectives in Biology and Medicine. 2011, 54(1): Winter 2011:8–16.

2 Bliss M. William Osler: Sir William. In: A Life in Medicine, pp. 369-401.1999: Oxford University Press. New York.

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