Horizonte

Buchbesprechungen

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.18166
Veröffentlichung: 20.11.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(47):1592-1593

Rechtskunde kompakt

Rechtshandbuch für Gesundheitsfachpersonen in der Schweiz.

Christian Peter

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Fachliteratur

«Wenn man alle Gesetze studieren müsste, so hätte man gar keine Zeit, sie zu übertreten.» Dieses Zitat von Goethe verdeutlicht, wie mühsam die Beschäftigung mit der Masse an Gesetzen im Gesundheitswesen häufig erscheint. Und damit Gesundheitsfachleute ihre kostbare Zeit eher dem Einhalten und nicht nur dem Studium der Paragraphen widmen können, ist es gut, dass es Juristen wie Dr. Christian ­Peter gibt. Er hat nun ein top aktuelles und im wahrsten Sinne «kompaktes» Handbuch passend für das schweizerische Gesundheitswesen herausgebracht.

In zehn Kapiteln bewegt sich Peter dabei durch alle Gesundheitssystem-relevanten Themen des Rechts, wobei er dabei bemerkenswert praxisnah vorgeht. Aufgrund der sehr übersichtlichen Strukturierung gewinnt man als Leser/in schnell einen hilfreichen Überblick über die Rahmenbedingungen, Gesetze und Akteure im schweizerischen Gesundheitssystem sowie über arbeits- und behandlungsvertragliche Aspekte.

Die Stärke des Buches ist, dass komplexeste Themen mit ihrem Wesentlichen auf wenigen Seiten dargestellt werden, ohne an Substanz zu verlieren. Anhand von zahlreichen Abbildungen, Graphiken und Schemata werden dabei selbst die schwierigsten Rechtsgebilde auf ­einen Blick verständlich gemacht. Auch über die besonders «heissen Eisen» wie «informe­d consent», Zwangsmassnahmen, Humanforschung, Transplantation, Suizidalität und Sterbehilfe wird man gut informiert.

Gut möglich, dass dieses Buch ein neues Standardwerk wird, welches jedem Departement und besonders jeder neuen Gesundheitsfachperson im schweizerischen Gesundheitswesen zu empfehlen ist.

Prof. Dr. phil., dipl. biol. Rouven Porz,

Christoph Kerwien 
Medizinethik,

Direktion Medizin, ­
Inselgruppe Bern

rouven.porz[at]saez.ch,

christoph.kerwien[at]students.unibe.ch

Die Darm-Hirn-­Connection

Revolutionäres Wissen für unsere psychische und körperliche Gesundheit

Gregor Hasler

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Sachbuch

Der Darm ist als Gesprächsthema salonfähig geworden. Laktoseintoleranz, Gluten-Unverträglichkeit und Blähungen haben mediale Hochkonjunktur. Es geht um ein gesundheits-entscheidendes Zusammenspiel von Darm und Hirn, das der sprachlich und didaktisch versierte Autor Gregor Hasler an Hand eigener Erfahrungen, einfühlsamer Patientenbeobachtungen und sorgfältiger Gewichtung und Bewertung relevanter Studien vornimmt. Der Schweizer Psychiater beschreibt kenntnisreich Hirn und Darm als ein zusammenhängendes Organ, die Darmoberfläche als «die grösste Fläche zwischen uns und der Umwelt» oder als «Innenwelt der Aussenwelt». Das Zusammenspiel zwischen phylo- und ontogenetisch altem Darmnervensystem und der Inselrinde, wird mit eindrücklichen Fallvignetten illustriert.

Gregor Hasler ist es mit diesen gut lesbaren Buch gelungen, unsere Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang zu lenken zwischen Darmsystem und Gehirn, wie er in dieser Sorgfalt und fundierter Weise bisher kaum je beschrieben worden ist. Neben der gründlichen Darstellung der relevanten Studien (auch zahlreichen eigenen, die in den führenden Fachzeitschriften publiziert sind), welche seine Thesen (und Hypothesen) solide untermauern, ist das Buch auch deshalb mit Genuss zu lesen, weil es auch zahlreiche, illustrative Fallbeispiele aus seiner grossen, jahrelangen Praxis enthält und auch sympathische Darstellungen aus seiner ganz nahen Um- und sogar Innen-Welt.

Prof. Dr. med. Jürg Kesselring FRCP

Senior Botschafter und Neuroexperte

Rehabilitatioszentrum Kliniken Valens 


juerg.kesselring[at]bluewin.ch

Gommer Herbst

Kaspar Wolfensberger

Dass Jäger ungewollt auf Jäger schiessen kommt jedes Jahr vor. So auch im Walliser Bintal, und doch ist alles anders als es scheint.

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Krimi

Walpen, von Freunden Kauz genannt, und sein Hund Max sind wieder einmal als tüchtige Wanderer im Goms unterwegs. Natürlich dauert es nicht lange, bis der pensionierte Ermittler aus Zürich in einen Mordfall verwickelt wird, genauer in zwei und später in einen dritten, und dann in ­einen vierten, der Jahre zurück liegt, und damals zu seinem Rücktritt aus einem kurzen Gastspiel bei der Walliser Kripo führte. Kaspar Wolfensberger, der mit Gommer Sommer und Gommer Winter schon einmal seine Haupt­figur recherchieren liess, legt noch einmal mit dem Gommer Herbst nach. Fast 500 Seiten Spannung sind an sich schon eine Meisterleistung. Dazu erfahren Leserinnen und Leser eine Menge über die Mentalität der Gommer und Gommerinnen, besonders der Jäger und Polizisten. Der Wolf spaltet die Einwohner in zwei unversöhnliche Lager, die keinen vernünftigen Argumenten zugänglich sind. Dafür erfahren wir vieles über dieses umstrittene Tier, das in den Ermittlungen ­einige falsche Fährten auslöst. Wohldosierte Folklore und einiges an Mundart vertiefen das Bild der Talbewohner. Eine Auswanderergeschichte, die nach Argentinien führt, erinnert an die Armut des 19. Jahrhunderts. ­Kaspar Wolfensberger, Psychotherapeut in Zürich, versteht es geschickt die Erzählebenen zu einem logischen Ganzen zu verweben, eine bedächtige Arbeit, bei der wir ihm gerne folgen. Glaubhaft und logisch läuft das Drama auf ein überraschendes Finale zu. Ein ‘Pageturner’, wie die Amerikaner sagen. Eine lohnende Lektüre für die länger werdenden Herbstabende.

Erhard Taverna

Dr. med., Mitglied der Redaktion

erhard.taverna[at]saez.ch

Zwangsversetzt vom Elsass an die Berliner Charité

Die Aufzeichnungen des Chirurgen Adolphe Jung, 1940–1945

Susanne Michl

Thomas Beddies

Christian Bonah (Hg.)

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Tagebuch

Der elsässische Chirurg Adolphe Jung wird nach der deutschen Besetzung des Elsass an die Klinik von Ferdinand Sauerbruch mehr oder weniger zwangsversetzt. Jung erlebt die Charité, das nationalsozialistische Berlin, arbeitet eng an der Seite des zwiespältigen damaligen Starchirurgen, erlebt die Bombardierungen bis zur bedingungslosen Kapitulation und hilft dem Widerstand als Bote geheimer Dokumente auf deren Weg in die Berner US-Botschaft. Eine komplizierte Gemengelage von Kooperation und Widerstand.

Das bei Schwabe (Berlin) erschienene Buch enthält die übersetzten und erstmals veröffentlichten Aufzeichnungen Jungs, in denen er das Erlebte aus seiner Sicht – wohl in der frühen Nachkriegszeit – festhielt und interpretierte. Das ist spannend, erscheint heute aber auch befremdlich. In einer Einführung stellen die herausgebenden Medizinhistoriker den Text in den Rahmen der Gesamtbiographie Jungs und ihrer vor allem elsässischen Hintergründe.

Die Aufzeichnungen dienten unter anderem der nicht ganz unumstrittenen Fernsehserie «Charité» als Quellenmaterial.

Eberhard Wolff

Prof. Dr. rer. soc., Redaktor Kultur, Geschichte, Gesellschaft

eberhard.wolff[at]saez.ch

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