Briefe / Mitteilungen

Anordnungsmodell stärkt Zusammenarbeit zwischen psychologischen Psychotherapeuten und Ärzten

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.18249
Veröffentlichung: 25.09.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(39):1296

Dr. phil. Samuel Rom, im Namen des Vorstands der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen

Anordnungsmodell stärkt Zusammenarbeit zwischen psychologischen Psychotherapeuten und Ärzten

Brief zu: Zaman TH. Ganzheitlicher Ansatz darf nicht verloren gehen. Schweiz Ärzteztg. 2019;100(34):1125–-1127.

In seinem Beitrag «Ganzheitlicher Ansatz darf nicht verloren gehen» in der SÄZ vom 21. August 2019 betont Dr. Taj H. Zaman zu Recht die Wichtigkeit einer guten und engen Zusammenarbeit zwischen Ärzten und psychologischen Psychotherapeuten. Wir teilen seine Einschätzung in dieser Hinsicht. Weiter legt er dar, dass diese Zusammenarbeit im ­aktuell gültigen System der delegierten Psychotherapie oft nicht oder nur sehr schlecht funktioniert. Auch das sehen wir genau gleich. Dann aber kritisiert Dr. Zaman das ­Anordnungsmodell, mit dem der Bundesrat die bestehenden Probleme im Bereich der ambulanten Psychotherapie beseitigen möchte. Er argumentiert, die Zusammenarbeit zwischen psychologischen Psychotherapeuten und Ärzten werde in diesem Anordnungsmodell erst recht nicht mehr stattfinden. Diese Befürchtung teilen wir nicht. Wir vertreten im Gegenteil die Meinung, dass das Anordnungsmodell die Zusammenarbeit zwischen psychologischen Psychotherapeuten und Ärzten stärkt, und zwar aus folgenden zwei Gründen. Einerseits braucht es im Anordnungs­modell für eine Psychotherapie zulasten der Grundversicherung eine ärztliche Anordnung. Es findet also in jedem Fall ein Kontakt zwischen Patient und Arzt statt, was im Delegationsmodell nicht immer geschieht. Andererseits arbeitet der psychologische Psychotherapeut neu selbstständig, ist also nicht mehr der Angestellte des delegierenden Arztes, sondern gleichberechtigter Partner auf Augenhöhe. Wir sind überzeugt, dass unter diesen Voraussetzungen eine vernünftige, fruchtbare Zusammenarbeit zwischen den zwei Berufsgruppen viel eher möglich sein wird als im heute gültigen, einst als Provisorium eingeführten Delegationsmodell. Pa­tientinnen und Patienten werden von diesem Systemwechsel profitieren.

Irritiert hat uns an Herrn Zamans Artikel seine Aussage, wir hätten «die enge Zusammenarbeit mit der Ärzten [sic!] als ‘absurd’ oder […] als ‘diskriminierend’ und ‘unwürdig’» bezeichnet. Diese von Herrn Zaman zitierten Aussagen, in denen wir tatsächlich die genannten Adjektive verwendeten, bezogen sich einzig auf das Delegationsmodell und nicht generell auf die Zusammenarbeit mit Ärzten. Noch einmal: Wir erachten die Zusammenarbeit mit Ärzten als sehr wichtig und notwendig. Mit dem Anordnungsmodell wird diese Zusammenarbeit gestärkt.

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