Briefe / Mitteilungen

Italienisch-Prüfung für Tessiner Ärzte: Warten auf die Weitsicht

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.18251
Veröffentlichung: 09.10.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(41):1361-1362

Dr. med. Hansueli Albonico, Langnau i.E.

Italienisch-Prüfung für Tessiner Ärzte: Warten auf die Weitsicht

Brief zu: Hänggeli C. War die Politik 1877 weitsichtiger als 2018? Schweiz Ärzteztg. 2018;99(16):497.

Viel hatte ich letztes Jahr nicht gedacht bei der Sache. Ich wollte nur eine Ferienvertretung für Kollegen im ärztlichen Dienst eines Kurhauses im Tessin machen. Die Patienten dort kommen vorwiegend aus der deutschen Schweiz, und für eine allfällige Notfalleinweisung sollten meine Italienischkenntnisse ausreichen, immerhin hatte ich die Matur mit Note 6 im Hauptfach Italienisch abgeschlossen.

Etwas spät im Anmeldeprozess für eine «Richiesta Nulla Osta 90 Giorni Intercantonale» nahm ich zur Kenntnis, dass dazu nebst Arzt- und Facharztdiplom, Autocertificazione, Letter of Good Professional Standing, Estratto del Casellario Giudiziale sowie Certificato Medico di Idoneità eben auch die Attestazione Cono­scenze Linguistiche erforderlich ist. Letztere erhält man bei der Medizinalberufekommission MEBEKO nach Nachweis eines Sprachdi­ploms mindestens B2, inkl. Matura, aber eben nicht älter als sechs Jahre, ferner eines in der entsprechenden Sprache erworbenen Aus- oder Weiterbildungsausweises oder einer ­Arbeitserfahrung in der entsprechenden Sprache von drei Jahren innerhalb der letzten zehn Jahre.

Für eine Prüfung B2 reichte die Zeit letztes Jahr nicht mehr; kulanterweise erteilte mir das Ufficio di Sanità am Tag vor Antritt der Stellvertretung eine Ausnahmebewilligung. Seither fand ich nach längerem Suchen und zwei Absagen mangels Teilnehmer einen Prüf­ort und konnte die Prüfung B2 im Frühling nachholen: 3 Std. schriftlich, 2 Std. mündlich, Mitteilung des Resultates nach drei Monaten, Erhalt der MEBEKO-Bestätigung nach einem weiteren Monat. Meine Prüfungs­vorbereitung hielt sich in Grenzen (meine Motivation allerdings war gross, habe ich es doch stets ­bedauert, dass mein Urgrossvater Angelo aus Como seine schöne Muttersprache gegenüber seiner Zürcher Ehefrau nicht erfolgreich verteidigt hat!).

Fazit: Mit einem Maturaabschluss mit Hauptfach Italienisch ist man als Deutschschweizer hinreichend für eine ärztliche Tätigkeit im Tessin gewappnet – wie viel mehr gilt das für unsere Tessiner Kollegen und Kolleginnen, die ihre Ausbildung in der deutschen Schweiz gemacht haben! Eigentlich schade, wenn die Tessiner ihre Ausbildung zunehmend in Italien machen (müssen).

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