Briefe / Mitteilungen

St. Galler Regierung foutiert sich um Demokratie!

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.18372
Veröffentlichung: 13.11.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(46):1537

Dr. med. Daniel Güntert, Wattwil

St. Galler Regierung foutiert sich um Demokratie!

Stellungnahme zur Medienmitteilung der Gesundheits­direktion des Kantons St. Gallen vom 23.10.2019 [1].

Was die Toggenburger Bevölkerung schon seit Jahren der St. Galler Gesundheitsdirektion vorgeworfen hat, bestätigt nun der neueste Regierungsentscheid. Schon 2014 haben die Toggenburger die Regierung damit konfrontiert, nach einem vorgefertigten Plan eine kontinuierliche Spitalschliessungsstrategie durchsetzen zu wollen. 78% der Toggenburger hatten sich damals gegen eine Schliessung und für den Erhalt des Spitals Wattwil ausgesprochen. An einer Informationsveranstaltung in Wattwil im November 2018 wurden die Toggenburgerinnen und Toggenburger über die Pläne der GD informiert. Damals wurden von allen Vertretern, inkl. von Frau Regierungsrätin Heidi Hanselmann, mehrmalig beteuert, dass keine vorgegebenen Pläne oder Strategien bestünden und sie für alle Varianten «offen» wären. Kaum einer der Anwesenden hat das tatsächlich geglaubt. Mehrfach wurden ernsthafte Zweifel gegenüber den Referenten angebracht.

Die Begründung der Regierung für diesen skandalösen Spitalschliessungsentscheid der fünf Standorte Flawil, Wattwil, Altstätten, Walenstadt und Rorschach ist aus medizinischer Sicht lächerlich, nicht glaubhaft und tatsächlich ein Affront gegen die Ärzteschaft und ­gegen die Regionalspitäler, die seit ihrem ­Bestehen ausgesprochen seriöse und höchst kompetente Leistungen erbracht haben, in ­einer Effizienz und Wirtschaftlichkeit, die Zentrumsspitäler bei weitem nicht erbringen können. Dass sich die gesundheitlichen Pro­bleme in den letzten Jahren so verändert hätten, dass diese nur noch von ausgebildeten Spezialisten behandelt werden könnten und deshalb quasi nur noch Zentrumsspitäler adäquate Behandlungen anbieten könnten, ist eine groteske und willkürliche Behauptung, die in keinster Art und Weise gerechtfertigt oder belegt ist.

Der aktuelle Regierungsentscheid zeigt, dass die Bevölkerung über die vorgegebene Spital-strategie während Jahren absichtlich belogen, bewusst hingehalten und verwirrt worden ist. Noch schlimmer aber ist, dass sie sich um ­einen demokratischen Entscheid foutiert und diesen schlichtweg missachtet. Dass zudem noch 50 Millionen Steuergelder in die Renovation vom Spital Wattwil in den Sand gesetzt werden, obwohl dieser Entscheid schon damals klar war, ist einfach eine «Schweinerei». Wir Toggenburger lassen uns das nicht ge­fallen.

Ich bin als langjähriger Arzt, Grundversorger und Spezialist, der diese Spitalstrategie der Gesundheitsdirektion des Kantons St. Gallen seit 17 Jahren verfolgt und mehrmals darauf aufmerksam gemacht hat, dass im Beispiel Wattwil eine strategische Salamitaktik bis zur Schliessung angewendet wird, dermassen empört, dass ich alle erdenklichen Massnahmen unterstützen werde, die die Regierung an ­deren Umsetzung hindert. Dass Frau Hanselmann nun das Handtuch wirft und sich aus dem Staub macht, verwundert nicht. Aber ihre Nachfolge wird am Toggenburg sich noch die Zähne ausbeissen.

1 https://www.sg.ch/news/sgch_allgemein/2019/10/regierung-will-vier-starke-spitalstandorte-und-fuenf-regionale-g.html

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