Briefe / Mitteilungen

Besonnenheit tut not

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2021.20198
Veröffentlichung: 06.10.2021
Schweiz Ärzteztg. 2021;102(40):1297

Dr. med. Hans Ulrich Albonico, 
Hausarzt, Langnau i. E.

Besonnenheit tut not

Brief zu: Glinz T. Bestrafe einen, erziehe hundert! Schweiz ­Ärzteztg. 2021;102(38):1232.

Ich möchte Kollegen Thomas Glinz herzlich danken für seinen Aufruf zur Besonnenheit auch im Umgang mit der Corona-Impfung. Sein Leserbrief bezieht sich primär auf einen Bericht in der Zeitung «Der Bund», wonach der Kanton Bern angeblich zwei Ärzte sanktionierte, die sich öffentlich gegen die Corona-Impfung ausgesprochen hatten. Fast gleichzeitig hatte «Der Bund» unabhängig davon ein Interview mit mir und einem weiteren Kollegen publiziert unter dem Titel «Wenn der eigene Hausarzt Impfskeptiker ist».

In einem eineinhalbstündigen Interview mit dem «Bund» hatte ich versucht aufzuzeigen, wie ich in der Praxis im Sinne einer «differenzierten Impfberatung» vorgehe. Ich bin der FMH dankbar, dass ihre höchste Juristin, Ursina Pally Hofmann, uns anfangs Jahr dazu rechtzeitig das «Rüstzeug» mit auf den Weg gegeben hat [1]. Demnach hat die Aufklärung u. a. einzubeziehen: «Hinweise auf eine … allfällige verkürzte Studiendauer oder andere spezielle Umstände beim Zulassungsverfahren usw.», «allfällige, noch nicht in der Fachinformation enthaltene, aber wissenschaftlich nachgewiesene Risiken». Ebenso ist «die Patientin darauf hinzuweisen, dass nicht alle Risiken und Nebenwirkungen bekannt sind». Und schliesslich «ist der Patient darauf hinzuweisen, dass eine Impfung freiwillig ist». Zudem ist die Aufklärung zu dokumentieren. Nicht ganz unwichtig ferner: «Wird die Patientin darüber aufgeklärt, dass allenfalls noch unbekannte Risiken bestehen, so haftet der Arzt nicht, wenn sie sich verwirklichen sollten.»

Ich unterscheide bei den Impfgesprächen zwischen den medizinischen Aspekten, wo nach wie vor halt vieles noch ungewiss ist, und den konkreten sozialen Gegebenheiten, welche oft die Impfung dennoch nahelegen. Wichtig ist mir dabei der Abbau von Ängsten als zen-
trale immunstärkende Massnahme. Unsere Praxis hat – in optimaler Zusammenarbeit mit dem Impfzentrum unseres Regionalspitals – allen Impfwilligen jederzeit zu einem umgehenden Impftermin verholfen, was von unseren Patientinnen breit wahrgenommen und geschätzt wurde.

Dass meine Bemühung um eine differenzierte Sicht im «Bund» schliesslich nicht wiedergegeben und von weiteren Medien verwirrlich mit einem anderen Bericht verlinkt wurde, bedaure ich natürlich, zeigt aber ein grundsätzliches Problem der Medien im Umgang mit Corona auf.

Literatur

1 Pally Hofmann U. COVID-19-Impfung: Aufklärung und Urteilsfähigkeit. Schweiz Ärzteztg. 2021;102(05):158–9.

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