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FMH

Das SIWF und die kompetenz­basierte ärztliche Weiterbildung

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2022.20521
Veröffentlichung: 09.02.2022
Schweiz Ärzteztg. 2022;103(06):169

Monika Brodmann Maeder

PD Dr. med. et MME, Präsidentin des SIWF

Im letzten Jahr erfolgte im Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung SIWF der Startschuss für das Grossprojekt «Kompetenzbasierte ärztliche Weiterbildung in der Schweiz». Seit 2017 ist die kompetenzbasierte Bildung mittels der «PROFILES» (Principal Objectives and Framework for Integrated Learning and Education in Switzerland) in der ärztlichen Ausbildung implementiert [1]. Dieses Modell soll nun auch in der ärztlichen Weiterbildung eingeführt werden. Nicht nur ermöglicht dies ein besseres Kon­tinuum zwischen der universitären medizinischen Ausbildung und der ärztlichen Weiterbildung, sondern es entspricht auch einer weltweiten Entwicklung zur ­Modernisierung der medizinischen Weiterbildung [2, 3].

Diese Modernisierung beinhaltet viele verschiedene Bausteine und wird sich über mindestens ein Jahrzehnt erstrecken. Denn es gilt nicht nur, alle medizinischen Fachgesellschaften sowie die über 2400 anerkannten Weiterbildungsstätten und über 2200 anerkannten Praxisweiterbildner ins Boot zu holen, sondern auch viele weitere Entscheidungsträger aus Medizin und Politik von dieser Entwicklung zu überzeugen. Dabei geht es um viel mehr als nur die Anpassung von Weiterbildungsprogrammen, die Entwicklung von übergeordneten und fachspezifischen EPAs: Es geht um ein Umdenken und einen Kulturwandel in der medizinischen Bildung.

Diese hat sich in den letzten Jahren stark professio­nalisiert: In vielen Gesundheitsberufen werden Exper­tinnen und Experten mit einer Zusatzkompetenz in ­Erwachsenenbildung eingesetzt, um junge Kolleginnen und Kollegen möglichst gut auf ihre späteren Aufgaben im Gesundheitswesen vorzubereiten. Bildungsangebote wie der «Master of Medical Education» (MME) werden zunehmend wichtig, und an der Universität Bern ist sogar eine Habilitation mit einem Schwer­gewicht in medizinischer Lehre möglich. Exzellenz in Lehre hängt nicht mehr nur von einem natürlichen ­Talent und viel Engagement ab, sondern basiert auch auf wissenschaftlicher Evidenz (siehe auch das «Zu ­guter Letzt» von Werner Bauer, Schweiz Ärzteztg. 2021;102(50):1704). Diese Professionalisierung führt aber auch dazu, dass die medical educators spezielle Ausdrücke oder sogar eine eigene Sprache verwenden, die es nicht eingeweihten Ärztinnen und Ärzten schwer macht, den Diskussionen zu folgen.

Wir aber wollen natürlich, dass Sie folgen, liebe Leserinnen und Leser. Wir wollen Sie im Boot. Deswegen hat sich das SIWF entschlossen, in der Schweizerischen ­Ärztezeitung eine Serie zum Thema «Kompetenzbasierte ärztliche Weiterbildung» und den damit verbundenen Bildungsaspekten zu starten. Einmal im Monat publizieren wir Artikel von Ärztinnen und Ärzten, die als medical educators in der EPA-Kommission oder als Instruktorinnen und Instruktoren bei den «Teach the teachers»-Kursen des SIWF mitarbeiten. Das Ziel dieser Artikelserie ist es, die Komplexität des Gross­projektes der kompetenzbasierten ärztlichen Weiter­bildung möglichst verständlich zu machen für Sie als Leserinnen und Leser der SÄZ. Denn der Kulturwandel in der ärztlichen Weiterbildung geht uns alle an. Gleichzeitig soll die zukunftsweisende Entwicklung auch ein Gesicht beziehungsweise viele Gesichter erhalten.

Den Auftakt zu dieser Serie bildete das Interview mit Olle ten Cate, dem «Papst der EPAs», der als Keynote Speaker an der Plenumsveranstaltung des SIWF im ­November 2021 das Publikum faszinierte. In dieser Ausgabe der SÄZ finden Sie einen ersten Übersichtsartikel «Kompetenzbasierte Bildung – eine Einführung». In rund einmonatlichen Abständen folgen Artikel zu ­Begriffen wie CanMEDS, EPAs, change management, leadership oder programmatic assessment. Wenn Sie als geneigte Leserin oder Leser noch nichts mit diesen Ausdrücken anfangen können, würden wir uns freuen, sie Ihnen mit Hilfe unserer Reihe näherzubringen und Sie mitzunehmen auf eine spannende Reise in die faszinierende Welt der medizinischen Bildung.

Literatur

1 Michaud PA, Jucker-Kupper P, and the members of the PROFILES working group. PROFILES; Principal Objectives and Framework for Integrated Learning and Education in Switzerland. Bern: Joint Commission of the Swiss Medical Schools; 2017.

2 Frank JR, Snell LS, ten Cate O, Holmboe ES, Carraccio C, Swing SR, et al. Competency-based medical education: theory to practice. Medical teacher. 2010;32(8):638–45.

3 Carraccio C, Englander R, Van Melle E, ten Cate O, Lockyer J, Chan M-K, et al. Advancing competency-based medical education: a charter for clinician-educators. Academic Medicine. 2016;91(5): 645–9.

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