FMH

In memoriam René Lerch

Michael Zellweger, François Mach

DOI : https://doi.org/10.4414/saez.2017.06065
Veröffentlichung : 11.10.2017
Schweiz Ärzteztg. 2017;98(41):1322

Mit grosser Trauer haben wir erfahren, dass Professor René Lerch unerwartet am Freitag, 25. August 2017, in Genf verstorben ist.

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René Lerch 
(1945–2017)

Geboren in St. Gallen am 4. Juli 1945 absolvierte René Lerch sein Medizinstudium in Zürich, wo er sein Staats­examen 1971 ablegte.

Bereits früh interessierte ihn die Kardiologie, und er spezialisierte sich in diesem Gebiet unter der Leitung von Professor Wilhelm Rutishauser, damals Chef der Kardiologie, an den Ufern der Limmat.

Von 1978 bis 1981 absolvierte René einen Forschungsaufenthalt in der kardiologischen Grundlagenforschung an der Universität von Washington in St. Louis, Missouri. Zurück in der Schweiz, kehrte er 1981 nach Genf zurück, wo inzwischen Professor Rutishauser Chef der universitären Kardiologie in der Stadt Calvins geworden war.

Oberarzt, Medécin adjoint, Professor – René hat alle Sprossen der universitären Karriere erklommen und hat als Chef ad interim der Kardiologie in Genf Anfang des Jahres 2000 gewirkt. Während all dieser Jahre hatte er daneben erfolgreich ein Forschungslabor ­geführt, das sich mit dem kardialen Metabolismus ­beschäftigte. Mehrere namhafte Publikationen mit ­hohem wissenschaftlichem Wert stammen aus dieser Zeit.

Auf nationaler Ebene war René ein sehr aktives Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie, die er von 1998 bis 2000 präsidierte. Vor allem die Weiterbildung und Fortbildung in der Kardiologie sowie die Tarife (Einführung Tarmed) waren ihm ein gros­ses Anliegen. Im Jahr 1999 wurde das erste obligatorische Examen zur Erlangung des Facharzttitels Kardiologie durchgeführt. René setzte sich engagiert für den «Cardiovascular Biology Price» ein, der jedes Jahr von der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie an eine junge Forscherin oder einen jungen Forscher vergeben wird. Weiter war er ein sehr aktives Mitglied der Schweizerischen Herzstiftung, wo er von 2002 bis 2004 das Pilotprojekt «Herzinsuffizienz» präsidierte.

Offiziell war René seit 2010 im Ruhestand. Während Jahren hat er sich aber über den Zeitpunkt seiner Emeritierung ohne Unterbruch für den guten klinischen und wissenschaftlichen Ruf der universitären Kardiologie in Genf, für die Anliegen der Schweize­rischen Herzstiftung sowie der Kardiologie in der Schweiz eingesetzt. Für seine «internen» Mitstreiter war René der Verantwortliche für das Echo mit einer Erfahrung und Expertise, die ihresgleichen sucht.

Für all die, die René gekannt haben, war er ein beispielhafter Arzt und Mensch. Die Qualitäten, die ihn am besten charakterisieren, sind: Integrität, Herzblut, Präzision, Durchhaltewille, Engagement, Verfügbarkeit – alles Qualitäten, die in der heutigen medizinischen Welt rar geworden sind. Verfügbarkeit – René verkörperte diese vollständig –, wer erinnert sich nicht daran, von seinen Ratschlägen Samstagnacht um 21 Uhr profitiert zu haben, als er noch in seinem Büro sass, um einen wissenschaftlichen Artikel zu schreiben, an Reglementen für die Schweizerische Gesellschaft für Kardiologie zu arbeiten oder einen Projektvorschlag eines Mitarbeiters zu korrigieren! Viele Kolleginnen und Kollegen durften eine gemeinsame Wegstrecke mit René zurücklegen, was uns in unserer täglichen Arbeit geprägt hat. Für all das, was René für das Gemeinwohl beigetragen hat, ohne jemals berechnend zu sein, wird René stets in unserer Erinnerung bleiben.

Unsere herzliche Anteilnahme gilt seiner Frau und ­Familie, Antonia, Tobias und Serena, wie auch seinen Nächsten.

Prof. François Mach für die Kardiologie des HUG, Genf

Prof. Michael Zellweger für die Schweizerische Gesellschaft für Kardiologie

Kopfbild : © FMH