Horizonte

Buchbesprechungen

DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2019.17799
Veröffentlichung: 15.05.2019
Schweiz Ärzteztg. 2019;100(20):711

Erhard Taverna

Dr. med., Mitglied der Redaktion

Artur Worseg

Deine Nase kann nichts dafür.

Wie wir uns vor dem S­chönheitswahn retten.

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160 Seiten. Wien: edition a; 2019.

ISBN 9783990013113

In Zeiten der Dekadenz

Die künstliche Bodymodification wird von Promis und Influencern in sozialen Netzwerken zelebriert. Die Durchschnittspatientin ist 42 Jahre alt. Faltenunterspritzung, Botoxbehandlung und Fettabsaugen machen rund die Hälfte aller Eingriffe aus.

«In Zeiten der Dekadenz werden die Künste gross», urteilt Dr. Artur Worseg, Facharzt für Plastische Chirurgie, Universitätsdozent, Chef einer eigenen Klinik mit dreissig Betten, vier Operationssälen und siebzig Mitarbeitern. Der Kollege hat einen soliden Ruf als Chirurg der Reichen und Prominenten. Wie Probleme mit ­unserem Äusseren den Weg nach innen weisen, beschreibt er in seinem Buch Deine Nase kann nichts dafür – Wie wir uns vor dem Schönheitswahn retten. Eigentlich habe er dieses Buch erst am Ende seiner Laufbahn schreiben wollen. Es geht darin nicht um Operationstechniken, sondern um eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Tun. Es geht um Indikationen, um das ärztliche Verhalten im Besprechungszimmer und um hintergründige Patientenmotive. Gut gewählte Praxisbeispiele sollen demonstrieren, was ein ehrliches und einfühlsames Gespräch bewirken kann, wenn sich der Operationswunsch als die Spitze eines Eisberges psychischer Probleme herausstellt. Schon der Buchtitel sagt uns: «Tu’s nicht!» Gut verständlich und unterhaltend geschrieben. Und doch bleibt eine gewisse Skepsis. Warum bleibt da einer bei seinem ­Metier, wenn er neben seiner rabenschwarzen Gesellschaftskritik alle guten Gründe aufführt, die gegen ­einen Eingriff sprechen. Seine Ratschläge sind einfach: Wir sollen Schönheit von innen ausstrahlen, sollen uns sozial engagieren, uns mehr mit der Natur verbinden, tolerant sein, annehmen und loslassen und Sport treiben. Wo das alles nichts nützt, darf man operieren. Schliesslich muss der Autor einen Klinikbetrieb am Laufen halten.

Michel Lansel

Orchideen im Engadin

Mit dem Inn von Maloja bis Martina

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Aurilegia Verlag (Eigenverlag), michel.lansel[at]hin.ch

140 Seiten, überarbeitete und ­erweiterte Auflage 2018.

Orchideen

Die Breitblättrige Fingerwurz auf dem Titelblatt er­innert an eigene Wanderungen. Orchideen im Engadin, von Maloja bis Martina. Ein sehr schön bebilderter Erlebnisbericht aus einem chronisch von Bausünden bedrohten Hochtal. Michel Lansel erwähnt, als besonders krasses Beispiel, die Silserebene und das Fextal, wo ­sogar eine Stadt geplant war. Auf langen Streifzügen begleiten wir den Autor entlang dem Inn und durch Seitentäler, wie Val Bernina, Val dal Spöl, Val S-charl, Val d’Uina und Val Sinestra. Standorte und Pflanzen werden, neben taxonomischen Überlegungen, ausführlich beschrieben und durch wunderschöne Landschaftsbilder ergänzt. Orchideen sind Individualisten, ihre Botanik hat eine lange Geschichte. Theophrastus von Eresos verwendete erstmals die Bezeichnung ­Orchis wegen der Ähnlichkeit der Knollen zum Hoden. Auch für weniger Kundige lohnt sich diese Ent­deckungsreise durch eines der schönsten Schweizer Täler. Man riecht förmlich die einzigartige Landschaft, die sich nur zu Fuss erschliesst. Verbreitungskarten aufgrund von Literaturangaben und GPS-Technologie ordnen die Fundmeldungen nach einem Rasterprinzip am Ende des unter anderen von Pro Natura mitfinanzierten Bandes.

Korrespondenzadresse

erhard.taverna[at]saez.ch

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