access_time veröffentlicht 29.05.2018

«Wichtig ist, dass die Schweiz auch im Bereich der Personalisierten Medizin den Anschluss an die Weltspitze schafft.»

Dr. Daniel Vonder Mühll, Geschäftsleiter PHRT, Zürich

Organisationen

«Wichtig ist, dass die Schweiz auch im Bereich der Personalisierten Medizin den Anschluss an die Weltspitze schafft.»

29.05.2018

Das Wichtigste in Kürze:  

•    2008 startete SystemsX.ch, die bislang grösste Wissenschaftsinitiative der Schweiz. Ziel der Initiative war es, die Systembiologie fest in der Schweizer Forschung zu verankern.

•    In der zweiten Hälfte der Laufzeit legte SystemsX.ch den Fokus vermehrt auch auf medizinische Themen. Dabei wurden insbesondere Projekte gefördert, welche Krankheiten (wie z.B. Krebs oder chronische Erkrankungen) auf Systemebene erforschten bzw. die Entwicklung innovativer Technologien in der Diagnostik oder Therapie zum Ziel hatten.

•    Ähnliche Fragestellungen stehen die Forschungsinstitutionen nun beim Thema «Personalized Health» gegenüber – auch hier braucht es einen interdisziplinären, interinstitutionellen Forschungsansatz, um die Schweiz auch in diesem Bereich an der Weltspitze halten zu können. Doch diesmal fahren die Verantwortlichen zweigleisig.
 

Herr Vonder Mühll, für die Implementierung der Systembiologie wurde eine eigene, schweizweit agierende Netzwerkorganisation geschaffen, um entsprechende Forschungsprojekte auszuschreiben und zu fördern. Wäre das nicht auch mit Nationalfondsprojekten möglich gewesen?

Nein, bei SystemsX.ch ging es um vielmehr als «nur» um einzelne, disziplinäre Forschungsprojekte. Um einen neuen Forschungsansatz wie die Systembiologie fest in einer Forschungslandschaft verankern zu können, musste auch eine neue Forschungskultur erarbeitet werden. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Institutionen mussten dafür eng zusammenarbeiten, gut kommunizieren und bereit sein, voneinander zu lernen. Dies wäre im Rahmen einzelner Projekte nicht möglich gewesen. Das vernetzte, schweizweite Vorgehen im Rahmen von SystemsX.ch war der richtige Entscheid. Im Übrigen hat dabei der SNF die wichtige Aufgabe des Reviews und der Kontrolle übernommen, ohne die das Vorhaben kaum so erfolgreich gewesen wäre.

SystemsX.ch förderte ab 2014 gezielt so genannte Medical Research and Development-Projekte. Wie haben sich die MedizinerInnen im Vergleich zu anderen Fachrichtungen bei den Projektausschreibungen geschlagen?

Genauso gut oder schlecht wie die Biologen ganz zu Beginn der Initiative. Sie waren bislang gewohnt, vor allem kleine unidisziplinäre Projekte und meist noch innerhalb der Institutionen, bei der sie arbeiten, zu entwickeln. Um sich für die von SystemsX.ch lancierten Projektausschreibungen überhaupt bewerben zu können, mussten die MedizinerInnen – wie sieben Jahre zuvor die BiologInnen - zuerst einmal lernen, solche Disziplinen und Institutionen übergreifenden Projektanträge auszuformulieren. Wie bei den anderen Disziplinen war aber auch bei den MedizinerInnen eine steile Lernkurve zu verzeichnen. 

Nun geht es darum, die «Personalisierte Gesundheit» in der Schweizer Forschungslandschaft zu verankern. Dieses Mal sind jedoch gleich zwei Organisationen in diesem Forschungsbereich tätig. Wer macht was?

Es gibt einerseits das Swiss Personalized Health Network, kurz SPHN, unter Federführung der SAMW. Hauptziel dieser Initiative ist es, eine koordinierte Infrastruktur aufzubauen und zu implementieren, um verschiedene Arten gesundheitsrelevanter Daten für die Schweizer Forschung nutzbar zu machen. Der Bund hat für 2017-2020 insgesamt fast 70 Millionen Schweizer Franken zur Verfügung gestellt.

Und die andere Organisation?

Ist das «Personalized Health and Related Technologies» Programm, kurz PHRT, welche der ETH-Rat ins Leben gerufen hat. Mit diesem strategischen Schwerpunkt tragen insbesondere die ETHZ, die EPFL, das PSI und die EMPA dazu bei, Forschung, Wissen und Kompetenzen des ETH-Bereichs über die Zusammenarbeit mit Kliniken den Patienten verfügbar zu machen. Dabei verfolgt die PHRT einerseits das Ziel, Technologieplattformen für die Diagnostik aufzubauen. Andererseits steht die Forschung und Entwicklung innovativer Technologien für klinische Anwendungen im Mittelpunkt. Dafür stellt der ETH-Rat insgesamt 50 Millionen Schweizer Franken für vier Jahre zur Verfügung.

Also besteht eine Konkurrenzsituation zwischen SAMW und PHRT?

Nein, die beiden Programme ergänzen sich. Für ein möglichst reibungsarmes Miteinander braucht es allerdings einen sehr guten und regelmässigen Austausch.  

Nach den Erfahrungen mit SystemsX.ch wäre eigentlich wieder eine Organisation, die alle Bemühungen im Personalized-Health-Bereich in der Schweiz koordiniert, zu erwarten gewesen, oder?

Ja, aber die Erwartungen der verschiedenen Beteiligten konnte offenbar nicht unter einem Dach vereint werden. Umso wichtiger ist es, dass alle beteiligten Organisationen ihre Tätigkeiten aufeinander abstimmen und immer wieder überprüfen, ob die Stossrichtung noch stimmt. Die jetzige Situation hat durchaus auch ihre Vorteile. Wichtig ist, dass die Schweiz auch im Bereich der Personalisierten Medizin den Anschluss an die Weltspitze schafft.
 

Weiterführende Links:

SystemsX.ch: Dokumentarfilm "Das System Mensch: Das letzte Geheimnis"

Swiss Personalized Health Network

Personalized Health and Related Technologies

 

 

 

 

Dr. Daniel Vonder Mühll

Geschäftsleiter PHRT, Zürich

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